Aus dem Tagebuch des eingeschleusten Journalisten Friedrich Mülln

»Die Neuankömmlinge wurden ins Labor gebracht. Sie waren zu sechst oder acht in einem Käfig. Sie waren extrem verängstigt. Man konnte deutlich die Panik in ihren Augen sehen. Sie hielten sich verzweifelt aneinander fest und schrien laut auf, als sie mit Gewalt einer nach dem anderen aus dem Käfig gezerrt wurden. Manchmal wehrten sie sich so sehr, dass die Käfigtür beim Herausholen zuschlug und dabei ihre Schwänze abtrennte.

Der gesamte Ablauf war wie am Fließband. Als erstes wurden die Affen narkotisiert und auf ihrer Brust tätowiert. Dann wurde ihr Bauch aufgeschnitten und eine Endoskop mit einer Kamera-Linse eingeführt, um die inneren Organe zu untersuchen. Es wurden keine Schmerzmittel verabreicht, ehe die Tiere in einen kleinen Metall-Käfig kamen, der während der kommenden Wochen ihr Zuhause sein sollte.

Die Käfige bestanden aus blankem Metall. Langsam wachten die Affen aus ihrer Narkose auf. Oftmals taumelten sie umher, wurden wieder ohnmächtig und brachen zusammen, wobei sie ihre Köpfe an den Metallgittern aufschlugen. Sie erwachten unter der lauten Musik und dem Rufen der Mitarbeiter. Durch ihre Todesangst gerieten die Affen in einen Schockzustand und saßen bewegungslos und still in ihrem winzigen Gefängnis. Dieses wurde nun zu ihrer Hölle.

Ich empfand die Arbeit in der Abteilung für Vermehrungs-Toxizität als extrem belastend. Die Abteilung war voller schwangerer Weibchen und Müttern mit ihren Kindern. Die Käfige waren ebenso leer wie die der anderen Affen. Die Babies wurden regelmäßig gewaltsam von ihren Müttern getrennt, um gewogen zu werden und die Blutwerte zu bestimmen. Die Mütter versuchten verzweifelt, ihre Jungen zu beschützen, schrien laut auf und warfen sich gegen die Käfigwände. Es war wirklich schmerzhaft, die Verzweiflung in den Augen der Mütter zu sehen, während sie gegen das Unausweichliche kämpften. Zwei Laborassistenten rissen Mutter und Kind buchstäblich auseinander, indem sie an ihren Schwänzen und Armen zogen.

Jeden Tag wurden Hunderte von Affen mit Testsubstanzen behandelt. Einmal beobachtete ich, wie die anderen Assistenten herumstanden, lachten und Witze machten und mit den Forschern redeten, während sie einem Affen nach dem anderen die Substanzen verabreichten. Im Hintergrund war die Musik laut aufgedreht. Ein Affe wiedersetzte sich, woraufhin der Assistent aggressiv wurde und den Affen schüttelte, welcher laut aufschrie. Die Untersucherin hatte Probleme damit, die Röhre den Hals des Affen hinunterzuschieben. Sie plauderte mit den Assistenten und bewegte sich zur Musik. Der Assistent, welcher das Tier festhielt, begann, es im Rhythmus der Musik aus dem Radio zu bewegen. Schließlich gelang es ihr, die Röhre tief genug hineinzuschieben und das Mittel in den Magen zu pumpen. Der Affe schien in einen Schockzustand zu verfallen und hörte auf, sich zu wehren. Nur in seinen Augen war Angst und Panik zu erkennen. Nach der Verabreichung des Mittels warf der Assistent, der den Affen nur in einer Hand hielt, das Tier buchstäblich zurück in dessen Käfig, wodurch die Tür laut zuknallte.«